Ich sah Ihn

Ich wollte schon immer Musikerin werden. Zielstrebig verfolgte ich dieses Ziel, bis ich den Eindruck hatte, dass ich genug gelernt hätte um dem Kreis von Künstlern beizutreten, nach dem ich mich schon so lange gesehnt hatte. Doch dann -¬ mit 20 Jahren, nachdem ich meinen selbst gewählten Lebensweg gefunden hatte, gab es immer wieder Situationen, in denen ich sehr unzufrieden war mit meinem Leben und ich begann mir viele Fragen zu stellen.


Ich fragte mich, ob es nicht mehr gäbe als nur diese Welt – ob es für mein Leben einen Sinn gäbe? Ich ließ die vergangenen Jahre, in denen ich viel Glück gehabt hatte und auch gesund gewesen war, an mir vorüberziehen. Für dies alles musste es einen Grund geben. Aber wer oder was war das? War es die Kraft der Natur oder das geheimnisvolle Universum? War es eine Lebensphilosophie oder die Kraft der menschlichen Vernunft? Ich suchte nach diesem Grund und kam schließlich zu dem Ergebnis, dass dies der wahre Gott sein müsse.

Als nächstes sah ich mich mit einer Vielzahl von Erklärungen über Gott konfrontiert, die mich verwirrten. Ich glaubte, dass es nur einen Gott gibt, der unbegreiflich ist. Mich befiel ein unwiderstehliches Bedürfnis, dieses göttliche Wesen zu suchen um herauszufinden, wo es ist und mich ihm zu nähern. Nach einer Zeit des Suchens fand ich dies in Jesus. Ich schloss mich einer Gemeinde an und wurde dort getauft.

Als ich 23 war erzählte mir eine Freundin in Köln von der Wahren Jesus Gemeinde. Sie lud mich zu deren Winterfreizeit ein. Dort entdeckte ich, dass die Lehren der Wahren Jesus Gemeinde ganz mit der Bibel übereinstimmten. Ich bekam einen großen Hunger nach der Wahrheit und nahm oft Fahrten von bis zu drei Stunden auf mich um mit anderen Geschwistern Gottesdienst halten zu können.

Nach einem Jahr des Hörens und Studierens fand ich heraus, dass man Gott erfahren und ihm näher kommen konnte. Er wurde mir zum Freund und zu einer Kraftquelle. Noch wichtiger, ich erkannte, dass die Taufe, die ich empfangen hatte, nicht der Bibel entsprach und daher wirkungslos war. Trotzdem hinderte mich mein Stolz daran, diesen großen Fehler einzugestehen. Es fiel mir schwer anzuerkennen, dass ich noch einmal getauft werden sollte.

Auch die Erwartung, nun die Gebote Gottes halten zu müssen, lastete schwer auf mir, insbesondere weil ich den Heiligen Geist noch nicht empfangen hatte. Ich machte mir Sorgen, dass wenn ich mein Leben in der Taufe Christus übergeben würde, ich dann alle Freiheiten, die ich bisher hatte, verlieren würde. Diese Gedanken waren es, die mich daran hindern wollten ein Christ nach Gottes Willen zu werden.

Am Neujahrstag von 1986 war ich bei der Winterfreizeit der Gemeinde in Stuttgart. Am Ende dieses Tages beteten ein paar, die gerne den Heiligen Geist empfangen wollten, noch etwas länger. In diesem ersten Gebet fragte ich Gott, ob ich mich taufen lassen sollte. Und Gott antwortete mir auf wunderbare Weise.

Bewegt vom Heiligen Geist sah ich im Gebet eine Vision. Ich sah einen Mann in einem Mantel und mit römischen Sandalen, der ungefähr einen Meter von mir entfernt auf einem Felsen saß. Sein Gesicht war zwar nicht zu erkennen, aber diese Gestalt strahlte Frieden und Freundlichkeit aus. Unter ihm schien ein sanftes Licht. Ich wusste sofort, dass dies Jesus war!

Überwältigt vor Aufregung wollte ich, dass auch andere diese Vision sehen sollten. Aber er lächelte nur. Ich sagte ihm dann: „Herr, dieser Weg zum Himmel ist zu schwierig für mich, du musst mir helfen ihn zu Ende zu gehen. Ich bin zu schwach, aber wenn du mich wirklich erwählt hast, dann hilf mir doch bitte, diesen Weg zu gehen.“ Der Herr lächelte weiter ohne irgendetwas zu sagen. Ich fühlte jedoch einen großen Frieden in mir und ihm ganz nah.

Plötzlich sah ich mich selbst als Fünfjährige, wie ich vor ihm sang und tanzte. Er lächelte noch immer. Dann sah ich mich wieder als Erwachsene, wie ich ihm meine Probleme mit dem Glauben darlegte und wie ich mit ihm über Fragen der Lehre diskutierte. Die ganze Zeit hörte er zu, immer mit dem freundlichen Lächeln auf seinem Gesicht.

Gerade da klingelte es und das hieß, dass das Gebet beendet war. Ich war während des Gebets vom Heiligen Geist so bewegt worden, dass meine Augen ganz geschwollen waren vom vielen Weinen. Als mich ein Diakon fragte, was denn passiert sei, ergriff ich die Gelegenheit und erzählte allen Anwesenden meine Vision. Auch bestätigten zwei Diakone, die mir die Hände aufgelegt hatten, dass ich den Heiligen Geist empfangen hätte. Sie lobten und dankten Gott dafür.

Wir entschieden uns für ein weiteres Gebet auch für all diejenigen, die den Heiligen Geist noch nicht empfangen hatten. Gleich nachdem ich mich hingekniet und mein Gebet im Namen Jesu begonnen hatte, erschien mir die Vision wieder.

Jesus nahm meine Hand und führte mich zu einem Fluss. Er zeigte auf das Wasser und sagte: „Mein Kind du musst dich taufen lassen.“ Dann wechselte die Szene. Ich sah ihn, wie er am Kreuz hing mit der Dornenkrone auf seinem Kopf. Sein ganzer Körper war verletzt und voller Blut, sein Kopf nach vorn geneigt. Er erschien mir in qualvollen Schmerzen.

Unter dem Kreuz weinten einige Frauen um ihn. Ich war unter ihnen. Ein römischer Soldat mit einem Speer in der Hand ging auf Jesus zu. Als er dann in seine Seite stach, schrie ich laut: „Nein, nein!“ Ich sah Wasser und Blut aus seinem Leib fließen. Als ich schrie hörte ich die Stimme Jesu zu mir sagen: „Mein Kind sei nicht traurig. Du musst getauft werden.“ Ich konnte es nicht mehr länger ertragen, dies zu sehen. Jesus starb diesen grausamen Tod um meinetwillen. Ich fühlte die Last meiner Sünden und begann ein trauriges Lied zu singen – bis das Gebet zu Ende war. Ich beendete mein Gebet, konnte aber nicht aufhören zu weinen.

Danach erzählte ich den anderen von meiner Vision. Viele waren zu Tränen gerührt. Ich bewunderte sie wegen ihrer großen Liebe zu Gott. Ich hatte ihn persönlich gesehen, aber sie hatten nur mein Zeugnis gehört und waren schon so berührt.

Beim Gebet am nächsten Morgen sah ich eine weitere Vision. Dieses Mal sah ich ein leeres Kreuz. Unter ihm lagen zwei zusammengelegte Tücher. Ich fühlte mich, als ob jemand aus meiner Familie gestorben wäre. Ich weinte und war sehr traurig.

TIn diesen Visionen hat Gott mir geantwortet. Obwohl ich es nicht verdient habe, hat sich Gott mir in seiner Gnade und Barmherzigkeit offenbart. Ich danke Gott, dass er mich trotz meines Stolzes nicht aufgegeben hat.

Im April 1986 wurde ich dann während einer Frühlingsfreizeit in Heidelberg im Namen Jesu getauft, genauso wie es in der Bibel beschrieben wird. Ich bete weiter darum, dass Gott mich führen wird, den Weg zum Himmel zu vollenden. Amen.